"Jetzt sehen wir halt mal für einen Moment etwas alt aus"

Silvio Mattanza

Früher war er Fussballprofi, heute trippelt er mit Aktien: Seit 2020 ist Moritz Nebel Investment-Analyst bei Spectravest bzw. bei dessen Mutterhaus Quantex. Im Interview verrät der 32-jährige Bayer, weshalb der Spectravest Fonds im Moment gerade etwas hinter dem Markt zurückliegt, dank seines langfristigen Charakters aber immer noch an der Spitze steht und gerade wieder eine Fonds-Auszeichnung einheimsen konnte.

Moritz, früher warst du als Fussball-Crack unterwegs. Weshalb hast du das runde Leder aufgegeben?

Fussball war ein grosser Bestandteil meiner Jugend. Ich war 12 Jahre lang beim FC Augsburg und habe dort fast alle Jugendmannschaften durchlaufen und im Anschluss einen Profi-Vertrag erhalten. Irgendwann habe ich gemerkt, dass es für die 1. oder 2. Bundesliga nicht reicht. In der 3. Liga ist die Bezahlung zu tief, daher habe ich den Weg des Studiums gewählt und nebenbei noch in der höchsten bayerischen Amateurliga gespielt.

Moritz Fussballer
Moritz Nebel der Fussballer

Wie bist du dann in die Finanz-Welt bzw. in die Schweiz gekommen?

Ich habe während meines Bachelor Studiums 2015 bei einem kleinen deutschen Vermögensverwalter als Aktienanalyst angefangen. In dieser Zeit habe ich meine heutigen Kollegen Livio Arpagaus und Peter Frech kennengelernt. Unsere Firma hat damals in den Quantex Global Value Fund investiert. Im Gegenzug konnte ich mich mit Peter und Livio über Aktien austauschen. Das war für mich ein grosses Glück und seit 2020 bin ich nun hier bei Quantex und Spectravest.

Moritz Analyst
Moritz Nebel der Investment Analyst

Für welche Fonds bist du verantwortlich und was sind bei diesen Produkten deine Aufgaben?

Livio Arpagaus, Peter Frech und ich analysieren potenzielle Investments und diskutieren die Zusammensetzung der Fonds. Bei Quantex ist dann jeweils ein Fondsmanager pro Fonds verantwortlich und trifft die finale Anlageentscheidungen. Im Quantex Global Value Fund ist dies Peter Frech und im Spectravest Fonds Peter Zeier.

Du bist bekennender Value Investor? Wie bist du auf das wertorientierte Anlegen gekommen?

Ich habe mich schon früh für den Finanzmarkt und vor allem Aktien interessiert. Während der Matur bin ich dann auf die Biografie von Warren Buffet gestossen und habe mich dann schnell durch die ganze Value-Investing-Literatur gelesen.


"Mir war schnell klar, dass das Investieren in Aktien nur Sinn macht, wenn man eine Idee vom inneren Wert einer Firma hat. Ansonsten verliert man sich schnell im Auf- und Ab des Börsenbetriebs."

Value Investoren gehen davon aus, dass der wahre Wert einer Aktie vorübergehend vom Marktpreis abweichen kann. Wie findet ihr die Titel, die am meisten unterbewertet sind? Hier agiert ihr ja etwa so wie ein Trüffelschwein, korrekt?

Ja, so in etwa wie ein Trüffelschwein... Wir machen jeden Monat ein Screening des globalen Aktienmarkts. Dort suchen wir die Firmen, die im Verhältnis zu ihrem Unternehmenswert am meisten freien Cash-Flow erwirtschaften. So bekommen wir jeden Monat etwa 40 neue Ideen auf den Tisch, die wir dann zusammen analysieren. Der Vorteil dieses Ansatzes ist, dass wir völlig unvoreingenommen sehen, wo es am Markt günstige Aktien gibt.

Schauen wir auf den Spectravest-Fonds: Zurzeit habt ihr dort eine Underperformance. Wie ist diese entstanden und wie gross ist aktuell der Rückstand zum Vergleichs-Markt?

Seit Anfang letzten Jahres sind wir mit dem Spectravest Fonds etwa 18% hinter dem Bloomberg World Index (Stand 31. Juli 2024). Der Markt wurde in dieser Zeit durch die starke Outperformance einer Handvoll Aktien aus den USA getrieben, der Rest ist seitdem aber kaum gestiegen.  

Ihr hattet und habt keine dieser Highflyer-Technologieaktien im Portfolio. Weshalb nicht?

Diese Werte waren uns schon vor 18 Monaten zu teuer. Jetzt sehen wir halt mal für einen Moment etwas alt aus. Das Schöne ist, dass die Gegenbewegung, wenn sie denn kommt, umso stärker ausfallen dürfte. Eine Positionierung abseits der grossen Indizes hat wahrscheinlich noch nie so viel Sinn gemacht wie heute. Zum Glück sieht der Fünfjahres-Performancevergleich noch gut aus und wir sind 27% vor dem Bloomberg World Index!

Wie hat sich das Portfolio des Spectravest Fonds im Vergleich zu vor 12 Monaten verändert?

Unser Portfolio ist in den letzten 12 Monaten deutlich defensiver geworden.


"Der Markt ist derzeit sehr sorglos und wirft uns qualitativ hochwertige Firmen günstig vor die Füsse."

Es sind dies oft Unternehmen mit einem defensiven Geschäftsmodell. Das kommt uns nur gelegen und wir haben unter anderem den Konsumgüterkonzern Unilever oder erst kürzlich den Zahlungsdienstleister Paypal gekauft. Im Gegenzug verkauften wir in den letzten 12 Monaten einige Zykliker, wie zum Beispiel den Stahlkonzern Arcelor Mittal oder den Rohstoffkonzern South32.

Für wen eignet sich der Fonds?

Der Spectravest Fonds eignet sich für alle Investoren, die einen längeren Anlagehorizont mitbringen und die Schwankungen des Aktienmarktes aushalten können. Da der Fonds auch eine Zulassung als 3a Fonds in der Schweiz hat, eignet er sich auch für alle 3a Sparerinnen und Sparer. Kurz gesagt für alle Leute, die mit einem hohen Aktienanteil von den langfristig attraktiven Aktien-Renditen profitieren wollen.

Die Handelszeitung hat kürzlich den Spectravest 3A Fonds zum zweitbesten Drittsäulen-Fonds mit 90 bis 100% Aktienanteil gekürt. Wie seid ihr zu diesem Handkuss gekommen?

Wir haben über fünf Jahre mit dem Spectravest Fonds eine Nettoperformance von 75% erwirtschaftet. Das ist in dieser Kategorie mit einem recht deutlichen Abstand von über 20% zum Zweitplatzierten die beste Performance.

Wie stolz seid ihr, dass ihr mit diesem Fonds ganz vorne mitspielt?

Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Zumal wir es geschafft haben, dieses Ergebnis ohne die grossen Technologieaktien zu erreichen.

Vielleicht überlegt sich jemand gerade mithilfe dieses 3a-Fonds zum ersten Mal in Aktien zu investieren. Ist es denn eine gute Zeit jetzt einzusteigen, nachdem die Aktien so gut performt haben in letzter Zeit?

Den perfekten Einstiegszeitpunkt zu finden ist unmöglich. Wir empfehlen daher gestaffelt oder am besten mit einem regelmässigen Sparplan zu investieren. Die Zeit ist der grösste Freund bei Aktieninvestments, deswegen sollte man möglichst früh mit solchen Investments beginnen.

Wo findet ihr aktuell sonst noch Value?

Neben den defensiven Aktien vor allem auch in den Emerging Markets.

Wieso investiert ihr in Schwellenländer-Titel?

Die Bewertungen in diesen Regionen sind in den letzten Jahren sehr attraktiv geworden. Das Kapital konzentriert sich seit Jahren auf die USA. Aus den Schwellenländern fliesst seit Jahren Kapital ab. Das ermöglicht uns qualitativ hochwertige Firmen zu sehr attraktiven Preisen zu kaufen.

Gibt es zurzeit auch spannende Schweizer Aktien?

Wir haben Roche und Novartis im Portfolio. Beide sind dank zahlreicher Medikamente gut diversifiziert, nicht zyklisch und attraktiv bewertet. In der Schweiz gibt es viele gute Firmen. Doch leider sind uns in fast allen Fällen die Preise aktuell noch zu hoch.

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