Glaubt man dem VIX, dem Angstbarometer des Optionenmarkts, so waren die drei schlimmsten Marktmomente der letzten 30 Jahre die Finanzkrise von 2008, der Covid-Crash von 2020 und die Erhöhung des Leitzinses in Japan um 0.25 Prozentpunkte. So zumindest fasst der Finanzkommentator Douglas Boneparth die auf den ersten Blick überraschend erscheinenden Erschütterungen an den Märkten vom 5. August zusammen.
Der Volatilitätsindex VIX erreichte im Tagesverlauf mit 65 Punkten tatsächlich den höchsten Stand seit März 2020 (siehe folgende Grafik). Der Nikkei-Index verzeichnete seinen grössten Tageseinbruch seit dem legendären Crash von 1987. Die Aktien- und Währungswechselkurse wurden gleichentags auch heftig durchgeschüttelt. Inzwischen haben sich die Märkte deutlich beruhigt, der VIX handelt wieder bei 16 Punkten und damit unter seinem langfristigen Durchschnittsniveau. Ist also alles wieder in bester Ordnung?
Der unmittelbare Auslöser des Bebens, die kleine Zinserhöhung in Japan, erscheint trivial. Doch bei komplexen Systemen wie den Finanzmärkten ist es oft der sprichwörtlich gewordene Flügelschlag eines Schmetterlings, welcher einen Sturm auslösen kann.
Der Hintergrund des Crashs waren grob geschätzte 1100 Milliarden Dollar an Yen-Carry-Trades: Privatanleger, Institutionelle und natürlich Hedge Funds hatten die jahrelang praktisch bei null liegenden Zinsen in Japan genutzt, um sich in Yen zu verschulden und damit lukrativere Anlagen in anderen Währungen zu kaufen: Aktien von US-Techfirmen und höher verzinste Anleihen in Dollar oder sogar mexikanischen Pesos zum Beispiel. Der Yen hatte schon die ganze Woche vor dem schicksalshaften Montag stärker tendiert, angetrieben durch die Zinserhöhung sowie schwache US-Arbeitsmarktdaten, welche eine baldige Zinssenkung im Dollar anzeigten. Viele Spekulanten bekamen einen Margin Call und mussten am Montag alle ihre Assets, welche sie mit geliehenen Yen gekauft hatten, auf den Markt werfen. Darum kam es ohne gravierende News zu dem Börsenbeben.